Fasten im Monat Ramadan
Im Islam ist das Fasten im Monat Ramadan eine der fünf Säulen des Islams und stellt eine der wichtigsten religiösen Praktiken dar. Es ist eine Zeit der spirituellen Reinigung, der Selbstdisziplin und der Nähe zu Allah (Gott). Das Fasten im Ramadan wird als eine Gelegenheit angesehen, sich von weltlichen Ablenkungen zu befreien und sich auf das Gebet, die Dankbarkeit und die Anbetung zu konzentrieren.
1. Wann wird gefastet?
Das Fasten im Monat Ramadan beginnt mit dem ersten Tag des Monats, der je nach Mondbeobachtung variiert. Im islamischen Mondkalender beginnt der Ramadan mit der Sichtung des Neumonds. Der Monat Ramadan dauert 29 oder 30 Tage, je nachdem, wie der Mondzyklus fällt. Fasten ist an jedem Tag des Monats von der Dämmerung bis zum Sonnenuntergang erforderlich.
2. Was bedeutet Fasten (Sawm)?
Fasten im Ramadan bedeutet, während des Tages auf bestimmte Dinge zu verzichten. Diese beinhalten:
- Essen und Trinken: Vom Morgengrauen (Fajr) bis zum Sonnenuntergang (Maghrib) dürfen Muslime keine Speisen oder Getränke zu sich nehmen. Dies schliesst auch Wasser ein.
- Rauchen: Es ist verboten, während der Fastenzeit zu rauchen.
- Eheliche Beziehungen: Muslime dürfen während der Fastenstunden keine ehelichen Beziehungen haben.
- Schlechte Taten und Worte: Das Fasten umfasst nicht nur den Verzicht auf körperliche Dinge, sondern auch auf schlechte Taten, wie Lügen, Streiten und schlechte Sprache.
3. Der Beginn und das Ende des Fastens
- Suhoor: Das Fasten beginnt nach dem Fajr-Gebet (Frühgebet) und endet mit dem Maghrib-Gebet (Abendgebet). Vor dem Fajr-Gebet dürfen Muslime noch eine Mahlzeit einnehmen, die als Suhoor bezeichnet wird. Diese Mahlzeit hilft, den Körper während des Fastens zu stärken.
- Iftar: Das Fasten endet mit dem Iftar, der Mahlzeit nach dem Maghrib-Gebet, wenn die Sonne untergeht. Traditionell brechen Muslime das Fasten mit Datteln und Wasser und beten dann das Maghrib-Gebet, bevor sie eine grössere Mahlzeit einnehmen.
4. Ziele und Bedeutung des Fastens
Das Fasten hat sowohl spirituelle als auch körperliche Vorteile:
- Glaube und Nähe zu Allah: Das Fasten dient dazu, den Glauben zu stärken und die Beziehung zu Allah zu intensivieren. Es ist ein Akt der Hingabe und des Gehorsams gegenüber Allahs Geboten.
- Selbstdisziplin: Fasten hilft, Selbstkontrolle und Disziplin zu entwickeln, da es Muslime dazu anregt, Versuchungen zu widerstehen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
- Empathie und Solidarität: Das Fasten fördert das Mitgefühl mit den weniger privilegierten Menschen, da es Muslime dazu anregt, Hunger und Durst zu erfahren, was den Wert von Wohlstand und Nahrung bewusster macht.
- Reinigung von Körper und Seele: Es wird angenommen, dass das Fasten den Körper von Giftstoffen befreit und die Seele reinigt, indem es negative Gedanken und Gewohnheiten vertreibt.
5. Wer ist vom Fasten befreit?
Es gibt bestimmte Ausnahmen, bei denen Muslime vom Fasten befreit sind:
- Kranke: Personen, die krank sind oder eine Krankheit haben, die das Fasten erschwert oder gefährlich macht, können das Fasten aufschieben und an anderen Tagen nachholen.
- Reisende: Muslime, die auf Reisen sind, dürfen das Fasten unterbrechen und es später nachholen.
- Schwangere und stillende Frauen: Frauen, die schwanger sind oder stillen, dürfen das Fasten aus gesundheitlichen Gründen unterbrechen und es zu einem späteren Zeitpunkt nachholen, wenn es ihre Gesundheit oder die des Kindes gefährden könnte.
- Kinder und ältere Menschen: Kinder, die noch nicht das Erwachsenalter erreicht haben, sind nicht verpflichtet zu fasten. Auch sehr alte oder gebrechliche Menschen, die nicht mehr in der Lage sind zu fasten, können von der Pflicht befreit werden.
6. Tägliche Rituale und zusätzliche Gebete im Ramadan
- Tarawih: Neben den fünf täglichen Pflichtgebeten (Salat) beten Muslime im Ramadan zusätzlich die Tarawih-Gebete. Diese Gebete werden nach dem Isha-Gebet (Nachtgebet) verrichtet und können eine längere Zeit in Anspruch nehmen, da sie zusätzliche Gebetsabschnitte umfassen.
- Koran lesen: Der Ramadan ist auch die Zeit, in der Muslime den Koran häufiger lesen und rezitieren, da es der Monat ist, in dem der Koran dem Propheten Muhammad offenbart wurde. Viele Muslime versuchen, den gesamten Koran während des Monats Ramadan zu lesen oder zu hören.
7. Das Fest des Fastenbrechens - Eid al-Fitr
Am Ende des Ramadan feiern Muslime das Eid al-Fitr, das Fest des Fastenbrechens. Dieser Feiertag markiert das Ende des Fastens und ist eine Zeit der Freude, des Gebets, des Gebens und des Zusammenkommens mit Familie und Freunden. An diesem Tag zahlen Muslime die Zakat al-Fitr, eine Wohltätigkeitsspendenpflicht, um den Bedürftigen zu helfen und das Ramadan-Fest zu beginnen.
Fazit
Das Fasten im Monat Ramadan ist ein zentrales Element der islamischen Spiritualität und Praxis. Es ist eine Zeit der Hingabe, des Gebets, der Nächstenliebe und der Selbstverbesserung. Für Muslime ist es mehr als nur der Verzicht auf Essen und Trinken; es ist ein Mittel zur inneren Reinigung und zur Annäherung an Allah.